Kompetenzentwicklung und Wissen für die Organisation unterstützen

Das Projekt be-online setzt sich zum Ziel, erstens die Kompetenzentwicklung von Bildungsteilnehmern/innen zu unterstützen und zweitens über diesen individuellen Entwicklungsprozess zugleich relevantes Wissen für die Organisation zu fördern. Wie ist das zu verstehen?

Ausgangspunkt des Bildungsprozesses in den Bildungsforen sind komplexe und für alle Beteiligten unübersichtliche Handlungssituationen. Die damit jeweils verbundenen Handlungsproblematiken der TeilnehmerInnen sind also unklar und noch undeutlich. Lösungen für die jeweiligen konkreten Handlungsproblematiken sind zunächst unbekannt. Deshalb gilt es für alle Beteiligten, sich in kooperativen Lernverhältnissen den einzelnen schwierigen Handlungssituationen der TeilnehmerInnen verstehend zu nähern und typische Kernthemen zu entdecken, die für die Handlungsproblematik bedeutsam sind. Kommen alle TeilnehmerInnen aus einer Organisation, werden auf diese Weise typische Kernthemen entdeckt, die den Akteuren das Handeln in diesen und ähnlichen Situationen erschweren. Mit den lernenden Akteuren erfahren so zugleich die Verantwortlichen in der Organisation, wo typische strukturelle Handlungsbehinderungen und -begrenzungen liegen. Subjektive Lernhandlungen sind so mit der Erzeugung relevanten Wissens für die Organisation gekoppelt.

Dies unterscheidet den virtuellen Bildungsraum in be-online von pädagogischen Instruktionsmodellen, die davon ausgehen, dass Handlungssituationen definiert sind, sich definitionsbezogen auf Seiten der TeilnehmerInnen Wissensdefizite identifizieren lassen und dazu Lösungen vermittelt werden können. In diesen Instruktionsmodellen kennt der Bildungsanbieter das Wissen, das für erfolgreiches Handeln zu vermitteln ist. Die Seite der Organisation bzw. die Seite des Lehrenden im Lehr-, Lernverhältnis kennt also erfolgreiche Handlungsmodelle, die für definierte Handlungssituationen zu vermitteln sind. Im Rahmen dieser Instruktionsmodelle ist es primär die Aufgabe der TeilnehmerInnen, neues Wissen in der Bildungsveranstaltung zu erwerben.

Unter Kompetenzentwicklung wird im Projekt be-online ein Prozess verstanden, bei dem die/der Lernende seinen/ihren problematisch gewordenen Selbstverständigungsprozess im Rahmen kooperativer Lernverhältnisse mit allen Beteiligten reflektiert und weiterentwickelt. Der Lernende möchte seine persönlich empfundene Handlungseinschränkung überwinden und zukünftig kompetenter handeln können. Kompetenzentwicklung nimmt so ihren Ausgangspunkt in den Interessen des/der Lernenden und zielt auf die Erweiterung der gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit des/der Lernenden. Wissensangebote werden unmittelbar mit den persönlichen Interessen des Lernenden gekoppelt. Kompetenzentwicklung unterscheidet sich von Qualifikationsentwicklung, die aus der Interessensperspektive der Organisation bzw. der Gesellschaft relevante Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln will.

Kooperatives Lernen in Bildungsforen zielt auf eine Kompetenzentwicklung, die

  • in den Lerninteressen der Lernenden ihren Ausgangspunkt nimmt
  • auf innovatives Handeln zielt
  • transfer- und praxisorientiert ist und
  • zeit- sowie arbeitsplatznah angeboten wird.

Diese Zielsetzung wird vom Projekt be-online für Betriebs- und Personalräte sowie BildungsmitarbeiterInnen der Gewerkschaft ver.di praktisch umgesetzt.

Vgl. dazu auch den Artikel von J.Ludwig: Kompetenzentwicklung als reflexiver Selbstverständigungsprozess