Projekt be-online und Kompetenzentwicklung

Kompetenzentwicklung wird im Projekt be-online mit der Lerntheorie Klaus Holzkamps (1993) verknüpft und als expansives Lernen empirisch zu verstehen versucht. Kompetenzentwicklung wird in ihren gesellschaftlich-situationalen sowie personalen Möglichkeiten und Begrenzungen untersucht, anstatt es nur als personale Disposition zu normieren und konzeptionell einzufordern. Expansives Lernen/Kompetenzentwicklung verweist auf verallgemeinerte Handlungsfähigkeit: sie "ist dabei die Alternative, die immer dann hervortritt, wenn mir der restriktiv-selbstschädigende Charakter einer Begründungsfigur deutlich wird" (Holzkamp 1990, S.39). In vielen Fällen wird der Reflexion dieser (selbst)schädigende Charakter verborgen bleiben. Die Reflexion des Selbstverständigungsprozesses mit dem Ziel erweiterter gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit ist deshalb ein offenes Projekt, das sich nicht positiv und damit normativ festlegen lässt. Die Reflexion kann lediglich mit der Leitfigur "verallgemeinerter Handlungsfähigkeit" entlang einer Reflexion von Verstehensprozessen auf defensive Lernbegründungen als Ausdruck restriktiver Handlungsfähigkeit verweisen .

Der theoretische Rahmen ermöglicht einen empirischen Zugang zum Verstehen von Lernbegründungen als Selbstverständigung im Bildungsprozess und damit auch die beratende Unterstützung dieser Lernhandlungen/Selbstverständigung durch Pädagogen. Mit dem Selbstverständigungsmodell bietet sich ein Referenzpunkt für didaktisches Handeln, der beim lernenden Subjekt, seiner Handlungsproblematik und damit verbundenen Bedeutungs-, Begründungszusammenhängen liegt und nicht bei einem zu vermittelnden Inhalt/Kompetenzansinnen. Kompetenzentwicklung wird so als empirisch-reflexives pädagogisches Projekt möglich, das als zwischenmenschliches Handeln im Bildungsprozess gesellschaftlich gegebene Lernmöglichkeiten und Lernbehinderungen reflektiert. Es ist ein nach vorn offenes Lernprojekt, dessen Ausgang im Sinne erweiterter gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit ungewiss ist und als subjektive Lernhandlung für Pädagogen unverfügbar bleibt.

Literatur:

  • Holzkamp, K. : Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung. Frankfurt/New York 1993. Holzkamp, K. : Worauf bezieht sich das Begriffspaar "restriktive/verallgemeinerte Handlungsfähigkeit"? In: Bildungsforum Kritische Psychologie 26(1990), S. 35-45.
  • Ludwig, J.: Kompetenzentwicklung als reflexive Selbstverständigung. Eine bildungstheoretische Reinterpretation des Kompetenzdiskurses. In: Bolder, A./Dobischat, R./Hendrich, W. (Hrsg.): Heimliche Kompetenzen. Jahrbuch Arbeit und Bildung (erscheint 2003)
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