Das didaktische Konzept: Lernen in subjektwissenschaftlich begründeten virtuellen Bildungsräumen

Vortrag 8th European Conference on Media in Higher Education - 2003, Duisburg [PP-Folien]

Gegenüber einer Vermittlungsdidaktik, die den erwachsenen BildungsteilnehmerInnenn ausgewählte Wissensinhalte als exemplarische Beispiele zum Lernstoff anbietet, basiert das subjektwissenschaftlich begründete didaktische Konzept auf den handlungsleitenden Prinzipien von Verstehen und Beraten. Das Konzept setzt an schwierigen Handlungssituationen an, die Teilnehmer selbst erlebt haben und in denen sie zukünftig handlungsfähiger / kompetenter sein möchten.

Der virtuelle Bildungsraum bietet den Teilnehmern eine Lernbegleitung bzw. Lernberatung bei der Reflexion dieser Handlungssituationen an. Ergebnis dieser praxisorientierten Bildungsarbeit sind neue Perspektiven und neue Handlungswege.

Dieser am lernenden Subjekt orientierte Ansatz geht von der Beobachtung aus, dass sich Perspektiven und Erfahrungswelt sowie Handlungssituationen der BildungsteilnehmerInnen - bei aller strukturellen Gleichheit - in vielfältiger Weise unterscheiden. Die Chance zur Erweiterung der gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit des einzelnen Teilnehmers ist deshalb in hohem Maße an die Berücksichtigung seines "Eigensinns" und an die Besonderheit der Handlungssituation gebunden. Der subjektive Eigensinn und die Besonderheit der sozialen Handlungssituation beschreiben den Rahmen des erlebten Falls, der sich der Lernende ausgesetzt sieht und den es in subjektwissenschafltich begründeten Bildungsprozessen zunächst zu verstehen gilt.

Das didaktische Konzept subjektwissenschaftlich begründeter virtueller Bildungsräume setzt beim lernenden Subjekt an und nimmt dessen Fall, differenziert in verschiedene Handlungssituationen, zum zentralen Ausgangspunkt des Verstehens. In weiteren didaktischen Schritten werden Interpretationen / Erklärungen zum Handeln der Personen, ihrer Interaktionen und der sozialen Rahmung angeboten und mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt.

Indem die Konkretheit der Handlungssituation im Zentrum des Bildungs- und Beratungsprozesses steht, werden die Transferchancen für praktisches Handeln verbessert. Im Regelfall der Vermittlungsdidaktik sind BildungsteilnehmerInnen gefordert, die Bildungsinhalte auf ihre besondere Situation zu transferieren. Im Konzept subjektwissenschaftlich begründeter Lernberatung erfolgt ein Großteil dieser Transferleistung im Bildungs- und Beratungsprozess selbst, weil die spezifische Handlungssituation reflektiert wird und die Beratungsangebote auch - aber nicht nur - situationsspezifisch erfolgen.

Indem die Beratungsangebote situationsspezifisch und zugleich situationsübergreifend eingebracht werden, besitzen alle BildungsteilnehmerInnen die Chance, entlang konkreter Handlungssituationen zu lernen, auch dann, wenn die behandelte Handlungsproblematik nicht in allen Facetten mit der eigenen identisch ist.